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Die digitale Empörungsdemokratie

© Bildschirmfoto / YouTube

 

Eine Woche vor der Europawahl stellt Rezo, ein 26-jähriger mit blauen Haaren, ein Video online: „Die Zerstörung der CDU“. Zuvor hatte er erfolgreich Musik- und Comedy-Videos veröffentlicht. Das Polit- Video erreichte bis zur Wahl zwölf Millionen Aufrufe. Ein Unterstützungsvideo von 70 YouTubern, das für den Klimaschutz wirbt und zum Boykott der Regierungsparteien und der AfD aufruft, erreichte weitere drei Millionen. Der Fernsehmoderator Jan Böhmermann erhob Rezo flugs zum „Cowboy der Stadt“. Der neue „Sheriff“ sei die Zivilgesellschaft. Die Empörungsdemokratie wird zum politischen Ideal erhoben, die dahinter stehenden Interessen werden ausgeblendet. Rezo wird von „Tube One Networks“ gemanaged, einer Tochterfirma von Deutschlands größtem Online-Vermarkter Ströer. Der arbeitet nach eigener Aussage seit 2012 mit Social Influencern und Marken zusammen. Das ermöglicht mehr Reichweite und kann bis zur Konzeption von Videos reichen. So geht Meinungsbildung digital – mit neuen Akteuren, hochprofessionell, unberechenbar und mit der Möglichkeit, einer rasend schnellen Weiterverbreitung. Auch die Politik wird digital nachrüsten müssen. Der demokratische Diskurs könnte dennoch dabei auf der Strecke bleiben.

 

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